Kühle Drinks auf einem sommerlichen Fliesenboden

Fliesen und Hitze – was muss man beachten?

Deutschland und Österreich schwitzen aktuell in einer historischen Hitzeperiode. Aber wie wirkt Hitze auf Fliesen? Sie werden doch aus unbrennbaren Naturmaterialien bei Temperaturen um die 1.000°C hergestellt. Hitze ist für sie also völlig unproblematisch – oder?

Gleich zu Beginn die Entwarnung: Die Umgebungstemperatur, die uns aktuell zum Schwitzen bringt, ist für keine Fliese ein Problem – wohl aber für den Fliesenleger (dazu mehr unten!). Bei Temperaturen, die in der Küche oder rund um einen Ofen herrschen können, ist das aber etwas anderes.

Um zu verstehen, wie Hitze auf Fliesen wirkt, müssen wir kurz einen Ausflug in die Vielfalt unterschiedlicher Fliesenarten und ihre Herstellung machen.

Zum einen gibt es natürlich seit Anbeginn der Zeit Natursteinfliesen, die – simpel ausgedrückt – einfach aus einem Felsen gehauen werden. Diese Felsen wurden in geologischen Prozessen meist unter sehr viel Druck und hohen Temperaturen gebildet. Marmor beispielsweise ist Kalkstein, der durch Temperaturen von 600°C bis 1.500°C und unter sehr hohem Druck gebildet wird. Granit wiederum besteht aus Magma aus dem Erdinneren, das von Temperaturen zwischen 700°C und 1.300°C an der Erdoberfläche langsam abkühlt und kristallisiert.

Das bedeutet aber nicht automatisch, dass eine Küchenplatte aus Marmor auch ohne Probleme solch hohe Temperaturen wegsteckt. Ein erhitzter Topf kann an seinen Kontaktflächen locker 400°C – 600°C erreichen. In Verbindung mit der eher kleinen Oberfläche des Topfbodens können solche Temperaturen auf einer Natursteinplatte große Schäden hervorrufen. Diese Schäden können zum einen durch den lokalen Wärmeschock entstehen, der Haarrisse, Abplatzungen oder Verfärbungen mit sich bringen kann. Zum anderen ist Naturstein oft auch mit Harz oder einer Versiegelung versehen, um ihn besser vor Feuchtigkeit zu schützen. Diese Zusätze können bei Hitze versengen oder chemisch mit dem Gestein reagieren.

Bei keramischen Fliesen unterscheidet man verschiedene Arten von Fliesen, abhängig von den Herstellungsverfahren und der Zusammensetzung, und hier insbesondere der Temperatur des Brandes.

SteingutSteinzeugFeinsteinzeug
Brenntemperatur1.000 – 1.100°C1.200 – 1.250°C1.250 – 1.350°C
MaterialdichteGeringe DichteHohe DichteSehr hohe Dichte
HärteMittlere HärteGroße HärteSehr hohe Härte
Wasseraufnahmerate3-7%1-3%< 0,5%

In der Tabelle kann man gut erkennen, dass Feinsteinzeug bei deutlich höheren Temperaturen hergestellt wird als Steingut, was in einer viel höheren Materialdichte und -härte resultiert.

Grundsätzlich kann man hier also feststellen, dass Keramikfliesen große Hitze aushalten können. Das Problem ist, dass auch Keramikfliesen meistens nicht allein aus dem sog. „Scherben“ bestehen, sondern auch eine Glasierung besitzen. Und diese Glasierungen können bereits bei vergleichsweise geringen Temperaturen ab 250°C dauerhaft ihren Glanz verlieren. Auch Terracotta-Fliesen, die unglasiert sind, können sich durch einen abgestellten Topf oder ähnliches leicht verfärben.

Deshalb nutzt man für besondere Anforderungen (Kachelöfen, Küchenplatten etc.) speziell für hohe Temperaturen ausgelegte Fliesen und Kacheln, zum Beispiel aus Porzellan.

Unser Service für Sie

Fliesen halten eine Menge aus – auch Hitze, bis zu gewissen Grenzen. Anders ist das mit Fliesenklebern, Estrich und Fliesenlegern. Hier gibt es beim Verlegen unter Hitze einiges zu beachten.

Wir beraten Sie gerne und umfassend und verlegen Ihre Fliesen immer so, dass sie optimal halten und lange stabil bleiben.

Während Temperaturen von um die 35°C – 40°C, wie wir sie jetzt seit Wochen haben, für Fliesen aller Art kein Problem sind, ist das für ihre Verlegung etwas anderes. Hier spielt nicht das Material der Fliesen die entscheidende Rolle, sondern der Estrich und der Fliesenkleber.

Der Estrich muss für eine Verlegung ausreichend getrocknet sein, wofür hohe Temperaturen förderlich sind. Liegt die Temperatur beim Verlegen allerdings deutlich über 25°C, kann es sein, dass der Estrich sich durch die Hitze ausgeweitet hat. Verlegt man darauf einen Fliesenboden, kann es passieren, dass die Fugen die Differenz beim späteren Zusammenziehen des Estrichs nicht mehr ausgleichen können und es so zu Spannungsrissen oder abgeplatzten Fliesen kommt.

Noch dramatischer ist die Lage beim Fliesenkleber. Der braucht ideale Temperaturen (normalerweise zwischen 5°C und 25°C Bodentemperatur, um eine dauerhafte und starke Verbindung zwischen Unterboden und Fliese zu gewährleisten. Liegt die Bodentemperatur beim Verlegen deutlich höher, wird dem Kleber zu schnell zu viel Feuchtigkeit entzogen. Die Folge: der Kleber hält nicht so stabil und so lang, so dass Sie es im schlimmsten Fall schon relativ bald mit losen Fliesen zu tun haben.

  • Fliesen nur bei Bodentemperaturen von 5°C bis 25°C verlegen – oder spezielle (teurere) Fliesenkleber verwenden, die für höhere Temperaturen ausgelegt sind.
  • Fußbodenheizungen vor dem Verlegen einmal testen, aber beim Verlegen ausgeschaltet lassen.
  • Auf die vorgegebene Feuchtigkeit und Temperatur des Estrichs achten.
  • Bei hohen Temperaturen immer genug Wasser für den Fliesenleger bereithalten – auch wir leiden manchmal unter hohen Temperaturen 😉

Ist die aktuelle Hitzeperiode für Fliesen ein Problem?

Nein. Fliesen werden bei weit höhreren Temperaturen hergestellt – Außentemperaturen im Sommer machen ihnen nichts aus.

Was muss man im Bezug auf Fliesen bei anderen Hitzequellen (Ofen, Küche) beachten?

Auch wenn Fliesen und Naturstein bei hohen Temperaturen hergestellt bzw. gebildet wurden, muss man hier bedenken, dass sehr hohe Temperaturen ihre Glasur, Imprägnierung und ggf. sogar ihre kristalline Struktur beschädigen können. Außerdem kann es durch punktuelle Hitze (Topfboden auf Küchenplatte) zu einem Hitzeschock mit Haarrissen, Abplatzungen oder Verfärbungen kommen.

Was muss man beim Fliesenlegen beachten, wenn der Boden über 25°C hat?

Beim Fliesenlegen muss man beachten, dass der Estrich bei hohen Temperaturen ausgedehnt ist, was bei einem späteren Abkühlen zu Abplatzungen an den Fliesen führen kann, weil die Fugen die Differenz nicht mehr ausgleichen können. Außerdem trocknen die handelsüblichen Fliesenkleber bei hohen Temperaturen schneller aus, was eine verminderte Klebkraft zur Folge haben kann. Und der Fliesenleger muss mehr trinken.