Warum ist die Abriebfestigkeit von Fliesen von Bedeutung?
Fliesen sind vielen Einflüssen ausgesetzt, die sie verschleißen können: Sie können Flüssigkeiten und chemischen Substanzen ausgesetzt sein, ebenso wie Temperaturschwankungen oder UV-Strahlung. Eine zentrale Ursache von Verschleiß bei Fliesen ist allerdings die mechanische Beanspruchung, z.B. durch Schuhwerk, Möbel und andere harte Gegenstände.
Die Art und Intensität der mechanischen Beanspruchung variiert je nach Anwendungsfall und Ort stark. Um für den individuell vorliegenden Fall die geeigneten Fliesen zu kaufen, muss man daher manches beachten und sich etwas in die Klassifizierung der Abriebsfestigkeit einlesen.
Was bedeutet die PEI-Klassifizierung bei glasierten Fliesen?
Um Verbrauchern die Auswahl geeigneter Fliesen zu erleichtern und die allgemeine Vergleichbarkeit zu objektivieren, hat das „Porcelain Enamel Institute“ (PEI) eine Klassifizierung ausgearbeitet, die aus den Klassen 0 – 5 besteht und praktische Anwendungsfälle abbilden soll:
- Klasse 0 (nur Wandbereiche): Fliesen dieser Klasse sind nicht für die Begehung vorgesehen, sondern ausschließlich als Wandfliesen.
- Klasse 1 (sehr leichte Beanspruchung): Diese Fliesen genügen für Räume, die ausschließlich barfuß oder mit weichen Hausschuhen betreten werden, wie z.B. Schlafzimmer oder private Badezimmer.
- Klasse 2 (leichte Beanspruchung): Fliesen dieser Klasse sind geeignet für Räume mit leichter Beanspruchung und lediglich weiches Schuhwerk, wie z.B. Gäste-WCs oder private Bäder
- Klasse 3 (mittlere Beanspruchung): Diese Fliesen werden oft in Wohnräumen und Fluren eingesetzt oder auf wenig frequentierten Balkonen
- Klasse 4 (stärkere Beanspruchung): Für Räume im privaten Umfeld mit stärkerer Frequentierung, wie z.B. Küchen, Eingangsbereiche und Hausflure oder Büros ohne Publikumsverkehr
- Klasse 5 (starke Beanspruchung): Fliesen dieser Klasse müssen starker Beanspruchung standhalten, v.a. auch im gewerblichen und öffentlichen Raum. Dazu gehören z.B. Verkaufsflächen, Bahnhöfe, Restaurants oder Schulen.
Die Einteilung der Klassen geschieht nach einem standardisierten Prüfverfahren mit einem rotierenden Schleifmedium, das aus einer fest definierte Mischung aus Stahlkugeln, Korund und Wasser besteht. Dieses Verfahren entspricht der Klassifizierung nach EN ISO 10545‑7 in Europa, bzw. ASTM C1027 / ANSI A137.1 in Nordamerika.
Bitte beachten Sie: die PEI-Klassifizierung ist streng genommen nicht für die Fliese selbst, sondern für die Glasur. Für nicht-glasierte Fliesen, z.B. aus Feinsteinzeug oder Naturstein, werden keine PEI-Klassen angegeben.
Unser Service für Sie
Die Auswahl von perfekten Fliesen ist nicht nur eine Frage der Ästhetik. Es gibt neben der Abriebfestigkeit (PEI-Klasse) auch noch andere wichtige Faktoren, die Sie beachten müssen.
Unser Angebot an Sie: Lassen Sie sich vom Fachmann beraten. Wir helfen Ihnen gerne bei Ihrem Projekt und sind gespannt, was Sie planen!
Wie bestimmt man die Abriebfestigkeit von unglasierten Fliesen oder Naturstein?
Bei unglasierten keramischen Fliesen wird der sog. Tiefenverschleiß nach DIN EN ISO 10545‑6 ermittelt und in mm³ angegeben. Weil es dabei um den Materialabtrag geht, ist eine Fliese umso verschleißfester, je niedriger der Betrag ist.
Bei Naturstein gibt es andere Verfahren und Herstellerangaben, um die Abriebfestigkeit zu bestimmen. Ein Grund dafür liegt darin, dass polierte Flächen anders altern.
Was bedeuten Herstellerangaben wie Umdrehungen oder Abriebgruppen?
Viele Hersteller geben statt der PEI-Klasse eine sog. Abriebgruppe oder Beanspruchungsgruppe an, die aus der EN ISO 10545‑7 stammen, mit Werten von I bis V aber den PEI-Klassen 1-5 weitgehend entsprechen.
Neben dieser Klassifizierung findet man manchmal auch Angaben zu „Umdrehungen“. Diese beziehen sich auf herstellerinterne Labortests. Als groben Anhaltspunkt kann man folgende Tabelle zum Vergleich heranziehen:
| Umdrehungen | ~ PEI-Wert |
|---|---|
| 750 – 1.500 | 3 |
| 2.100 – 12.000 | 4 |
| > 12.000 | 5 |
Häufige Fragen und Antworten zum Thema Abriebfestigkeit
Entsprechen die Abriebgruppen den PEI-Werten?
Ja, weitesgehend. Sie werden beide gem. EN ISO 10545‑7 bestimmt, wobei die Abriebgruppen I-V den PEI-Werten 1-5 entsprechen. Für PEI-Wert 0 gibt es keine Abriebgruppe.
Welchen PEI-Wert empfehlen Sie für Küchen und Flure?
Küchen und Flure sollten als stärker beanspruchte Räume im Haus mit stärker abriebfesten Fliesen belegt werden, idealerweise PEI 4 oder 5 (letztere bei starkem Publikumsverkehr).
Muss ich bei der Auswahl der Fliesen neben den PEI-Werten auch auf andere Dinge achten?
Ja! Mechanische Abriebfestigkeit ist nur eine Form der Beanspruchung. Auch durch Flüssigkeiten, Chemikalien, Temperaturschwankungen oder UV-Strahlung können Fliesen altern. Und auch die Rutschfestigkeit ist in manchen Bereichen von großer Bedeutung.
Gilt der PEI-Wert für alle Fliesen?
Nein, der PEI-Wert gibt die Haltbarkeit von Glasuren an und betrifft daher nur glasierte Keramikfliesen. Bei nicht-glasierten Keramikfliesen sollte man sich nach dem Tiefenverschleiß gem. DIN EN ISO 10545‑6 richten – je kleiner, umso besser. Für Natursteinfliesen als Naturprodukt gibt es keine objektive Klassifizierung, wohl aber Herstellerangaben und manchmal auch externe Prüfungen.
