Ein älterer Herr putzt sich im Bad die Zähne

Das Bad altersgerecht umbauen

Je älter man wird, umso mehr denkt man darüber nach, wo und wie man im Alter leben möchte. Für viele Eigentümer rückt damit das Thema altersgerechter Umbau des Badezimmers in den Fokus.

Was muss man bei einer Renovierung des Badezimmers fürs Leben im Alter beachten? Welche Neuerungen gibt es, die einen solchen Umbau einfacher machen? Und gibt es vielleicht sogar staatliche Förderprogramme und Zuschüsse? Diese Fragen wollen wir uns im folgenden Artikel näher ansehen.

Das Alter bringt häufig körperliche Einschränkungen mit sich, die „normale“ Badezimmer problematisch und bisweilen sogar gefährlich machen können:

Mobilitätseinschränkungen

Viele ältere Menschen haben Schwierigkeiten beim Gehen, Stehen oder beim Aufstehen aus einer sitzenden Position. Diese Einschränkungen können z.B. durch Arthritis, schwächere Muskeln oder andere gesundheitliche Beschwerden verursacht werden.
Oft kommen im Alltag deshalb Hilfsmittel wie Rollatoren, Gehstöcke oder Rollstühle zum Einsatz. Nicht altersgerecht ausgebaute Badezimmer sind hier oft zu eng und bieten wenig Raum.

Gleichgewichtsstörungen

Manche ältere Menschen sind auch von Kreislauf- oder Gleichgewichtsstörungen betroffen. Schwindelgefühl kann das Risiko für Stürze erhöhen, die im Badezimmer mit seinen oft harten Materialien und Kanten gefährlich sein können.
Normale Badezimmer zwingen durch hohe oder niedrige Anordnung von Stauraum oder durch Schwellen und Kanten oft dazu, sich zu strecken oder zu bücken. Das kann für Menschen mit Gleichgewichtsstörungen problematisch sein.

Seh- und Hörbeeinträchtigungen

Auch das Seh- und Hörvermögen nimmt bei vielen Menschen im Alter ab, was Folgen für die Orientierung und Sicherheit im Badezimmer haben kann. Viele Bäder sind z.B. vergleichsweise dunkel, was sie einerseits gemütlich macht, aber eben auch nicht ideal ist, wenn man nicht mehr so gut sehen kann – insbesondere ohne Brille oder Kontaktlinsen, die man ja gerade im Bad auch oft abnimmt.

Kraft- und Koordinationsverlust

Allgemein nehmen im Alter meistens auch allgemein die Körperkraft und die Körperbeherrschung irgendwann ab. Das kann es schwieriger machen, Dinge zu heben, zu drücken oder Armaturen zu bedienen. Außerdem sind die Oberflächen wie Klobrillen in nicht altersgerechten Badezimmern oft etwas hart, um darauf länger zu sitzen.

Es gibt in Deutschland, und gerade in Bayern, zahlreiche Programme zur Föderung von altersgerechtem Wohnen in den eigenen vier Wänden. Wichtige Hinweise zu Zuschüssen und Förderungen dazu finden Sie u.a. auf der Website https://wohnen-alter-bayern.de von der Koordinationsstelle Wohnen im Alter, auf der Seite der KfW (u.a. zum Kredit „Altersgerechtes Umbauen“ 159) oder – ganz regional – im Pflegekompass der Zukunftsregion Rupertiwinkel.

Ausgehend von den oben aufgezählten Einschränkungen, die ältere Menschen oft in Badezimmern haben, lassen sich folgende Punkte für einen altersgerechten Umbau eines Badezimmers auflisten:

Barrierefreier Zugang

Der Zugang zum Badezimmer sollte ohne Stufen oder Schwellen möglich sein. Auch ist es wichtig, die Zugangstür so breit zu gestalten, dass man das Bad mit Rollatoren oder Rollstühlen betreten kann. Natürlich wäre es ideal, dann auch innerhalb des Badezimmers so viel freien Raum zu haben, dass man dort seinen Rollator sicher abstellen oder mit einem Rollstuhl gut rangieren kann. Aber das ist nicht bei jedem Badezimmer leicht umzusetzen.

Rutschfeste Bodenbeläge

Stürze im Badezimmer sind – nicht nur bei älteren Menschen – eine der häufigsten und gefährlichsten Unfallarten überhaupt. Aber gerade im Alter ist es besonders wichtig, einen Fußbodenbelag zu wählen, der nicht nur wasserfest, sondern auch rutschfest, oder zumindest stark rutschhemmend ist. Dafür eignen sich Beläge wie Vinyl, aber gerade auch rutschfeste Fliesen ideal. Und seit neuestem gibt es sogar rutschhemmende Beschichtungen, die man auch nachträglich auf einen Fliesenboden auftragen kann.

Altersgerechte Dusche oder Badewanne

Duschen sollten so gestaltet sein, dass man sie möglichst ohne weitere Schwelle oder Stufe betreten und verlassen kann. Hier bieten sich moderne ebenerdige Duschen ideal an.
Aber egal, ob man sich für eine Dusche oder Badewanne entscheidet: im Alter ist es oft wichtig, dass man sich bequem hinsetzen und auch bequem wieder aufstehen kann. Deshalb sollten Duschen groß genug sein, damit man darin einen (ggf. klappbaren) Duschsitz platzieren kann. Für Badewannen gibt es ebenfalls Lösungen, die einem beim Ein- und Aussteigen helfen. Insbesondere bei der Badewanne müssen Sie aber unbedingt auf eine sichere Befestigung achten. Viele Billigprodukte oder eine unsachgemäße Verankerung können ein erhebliches Risiko für ältere Menschen darstellen.

Waschbecken und Toiletten

Waschbecken und Toiletten sind in herkömmlichen Badezimmern oft in einer Höhe oder einem Winkel angebracht, der für ältere oder gehbehinderte Menschen nicht ideal ist. Bei einer altersgerechten Renovierung des Badezimmers sollten Sie daher darauf achten, diese Einrichtungen so anzubringen, dass sie für ältere Nutzer bequem sind. Das gilt auch für die Armaturen. Hier sind Einhebel-Mischarmaturen deutlich bequemer und leicher zu nutzen als die (inzwischen ohnehin selten zu findenden) Zweihandmischer.
Auch Toilettensitzerhöhungen können älteren Menschen das Aufstehen erleichtern. Tatsächlich gibt es sogar inzwischen höhenverstellbare Waschbecken und Toiletten, die die gemeinsame Nutzung durch nicht behinderte und behinderte Menschen gleichermaßen ermöglicht.

Ältere Frau hält sich am Handlauf in einem barrierefreien Badezimmer fest
Ein Handlauf im Badezimmer kann für ältere Menschen eine große Hilfe sein.

Haltegriffe und die Vermeidung von Stolperfallen

An Duschwänden, Badewannen und am WC sollten Haltegriffe installiert werden, die das bequeme Ein- und Aussteigen unterstützen können. Sie sind für ältere Menschen oft eine entscheidende Erleichterung, insbesondere auch, wenn sie zu Schwindelgefühl neigen.
Neben Haltegriffen gilt aber allgemein: Stolperfallen vermeiden! Rutschige oder sehr hohe Badvorleger fallen ebenso darunter wie freihängende Kabel oder freistehende Toilettenrollen-Halter.

Ausreichende Beleuchtung

Viele Badezimmer werden bewusst dunkler gestaltet, um sie gemütlicher und kleiner wirken zu lassen. Das ist für ältere Menschen nicht ideal. Bei einem altersgerechten Umbau eines Badezimmers sollten Sie lieber auf eine helle Beleuchtung setzen, um Stolperfallen zu vermeiden. Hier könnten auch Bewegungsmelder hilfreich sein.

Aufbewahrung

Installieren Sie Schränke und Regale so, dass man sich nicht übermäßig strecken oder bücken muss, um sie zu erreichen. Insbesondere für Ältere Menschen mit Kreislauf- oder Rückenproblemen erleichtern Sie so das Leben sehr. Aber auch Rollstuhlfahrer freuen sich darüber, wenn die wichtigen Dinge zentral im Raum erreichbar sind.

Notrufsysteme

Aus Zügen oder Altersheimen kennt man ihn bereits: den Notrufknopf im Badezimmer oder WC. Aber nicht nur in öffentlichen Gebäuden kann ein Notrufsystem hilfreich sein. Gerade auch in privaten Badezimmern passieren schnell Unfälle und man ist besonders hilflos. Hier kann ein Alarmknopf einen großen Unterschied machen. Und selbst, wenn nie etwas passiert, sorgt er für ein beruhigendes Gefühl.

Leichte Reinigung

Was für Badezimmer im Allgemeinen gilt, gilt besonders für altersgerechte Räume: sie sollten leicht zu reinigen sein.

  • Textil-Duschvorhänge sind, weil sie über Falten und Nähte verfügen, oft anfälliger für Schmutz und Schimmel und müssen daher öfter gereinigt oder ausgetauscht werden. Außerdem sind harte Duschabtrennungen aus Glas oder Kunststoff oft stabiler und beugen Rutschunfällen vor, wenngleich sie manchmal schwerer zu öffnen und zu schließen sind und oft eine Schwelle zum Einstieg benötigen.
  • Großformatfliesen sind oft leichter zu reinigen als kleinere Formate, weil weniger Fugen nötig sind. Allgemein sind Fliesen aber ein idealer Belag, wenn es einem um leichte Reinigung geht.

Bei allen Punkten, die für die altersgerechte Renovierung eines Badezimmers von Bedeutung sind, darf man aber einen Punkt nicht vergessen: Badezimmer sind sehr persönliche Räume, in denen man wichtige Zeiten seines Tages verbringt. Achten Sie deshalb auch darauf, dass Sie die persönlichen Bedürfnisse und Vorlieben der Bewohner mit in die Planung einbeziehen. Das wird in privaten Räumen eher möglich sein, als z.B. in Wohneinrichtungen, wo der Fokus darauf liegt, dass sich unterschiedlichste Menschen darin wohlfühlen können. Aber schon kleine persönliche Akzente können einen großen Unterschied machen und das Wohlbefinden derer steigern, die das Badezimmer regelmäßig nutzen.

Unser Service für Sie

Wir beraten Sie professionell und umfassend zu Fliesenlösungen und den Umbau zu einem altersgerechten Badezimmer.

Ist ein altersgerechter Umbau sehr teuer?

Ein Bad komplett altersgerecht – oder gar behindertengerecht – zu renovieren, kann sehr teuer werden. Aber es gibt auch viele günstige Lösungen und bereits kleine Verbesserungen können einen großen Unterschied machen. Handläufe und Griffe im Bad zu befestigen ist kein großer Aufwand, erhöht aber die Sicherheit bereits enorm. Und statt rutschfeste Fliesen neu zu verlegen gibt es seit Neuestem auch rutschhemmende Fliesen-Beschichtungen, die man nachträglich auf herkömmliche Fliesen auftragen kann.

Gibt es für einen altersgerechten Umbau im Bad eine staatliche Förderung oder Zuschüsse?

Ja, die gibt es! Informieren Sie sich dafür z.B. bei der KfW-Bank, der bayerischen Koordinationsstelle Wohnen im Alter oder regionalen Beratungsangeboten.

Kann ich mein Bad nicht auch in Eigenleistung altersgerecht umbauen?

Ja, vieles können Sie sicherlich auch selber verbessern. Unsere Empfehlung ist aber, sich bei Fragen dazu konkret auch an Fachleute zu wenden. Speziell im Bad ist z.B. die Abdichtung der Fliesenarbeiten eine große Herausforderung, wo wir als Fachleute in der Regel erfahrener und effizienter sind.

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